Willkommen auf matti.eu

Ende 2013 war es endlich soweit: Der zweite Törn war fällig. Nach einigen Recherchen im Internet habe ich mich entschieden den großen Kanarentörn vom 03.11. bis 17.11.2013 beim Skipperteam Schönicke zu buchen. Die Reise würde auf der SKIATHOS einer Beneteau First 47.7 stattfinden. Die Yacht ist 14,5 Meter lang und bietet in 4 Kabinen Platz für 8 Personen.

23.10.2013 – Erste Informationen und erste Überraschungen

Heute ist die Crewliste angekommen zusammen mit der Information, dass die Segelyacht SKIATHOS aufgrund eines Defekts nicht zur Verfügung steht und wir stattdessen auf der QUEEN F. fahren werden. Bei der SY QUEEN F. handelt es sich um eine Beneteau 50.5, die über 10 Kojen in 5 Kabinen verfügt und 15,6 Meter lang ist. Da dies mehr Platz und Komfort verspricht, bin ich über den wechsel der Yacht nicht unglücklich.

20.10.2013 – Erneut meldet sich der Anbieter mit weiteren Überraschungen

Über Deutschland und der Nordsee liegt ein umfangreiches Sturmtief, dadurch wird unsere Yacht sehr wahrscheinlich nicht pünktlich auf Lanzarote eintreffen. Neuer geplanter Beginn des Törns wird der 05.11. sein. Skipperteam hat für die Crew Hotelzimmer gebucht. Zwei Tage Segeln verloren und zwei Tage um sich Lanzarote anzuschauen gewonnen.

03.11.2013 – Anreise nach Arrecife / Lanzarote

Aus dem tristen Novemberwetter bin ich mit einem Zwischenstopp in Madrid nach Lanzarote geflogen, wo mich angenehme sommerliche Temperaturen erwartet haben. Interessant war für mich die Erkenntnis, dass es bei Iberia durchaus einen Service an Bord gibt, die Airline sich aber alles teuer bezahlen lässt. Künftig werde ich mich selbst mit Speisen und Getränken versorgen.
Nachdem ich meinen Seesack im Hotel abgegeben hatte, bin ich gegen 21 Uhr zur Crew gestoßen, welche bereits in einem Lokal am Strand zum gemeinsamen Abendessen versammelt war.
Wir verbrachten einen angenehmen Abend und machten Pläne für den nächsten Tag.

04.11.2013 – Erkundung von Lanzarote

Das Skipperteam hatte uns einen Kleinbus spendiert um die Insel erkunden zu können. Das Hotel Residencia Cardona, in dem wir untergebracht waren, zählt eindeutig zu den einfacheren Häusern. Es war jedoch sauber und ordentlich.
Gegen 0815 haben wir uns in der Lobby getroffen und sind gemeinsam zum Frühstücken in den Ort gegangen. Im Gegensatz zu dem guten Essen vom Vorabend, hatten wir diesmal Pech bei der Wahl der Gaststätte. Fetttriefende Sandwiches sind einfach nicht mein Geschmack.
Anschließend organisierten wir uns den Kleinbus und machten uns auf den Weg zum nördlichsten Punkt der Insel – Mirador del Rio.

Mirador del Rio

Hier genossen wir die großartige Aussicht und beobachteten voller Vorfreude, wie unter uns die Segelyachten durch den tiefblauen Atlantik glitten.
Der nächste Punkt auf unserer Liste war der Timanfaya Vulkan Nationalpark von Lanzarote. Auf dem Weg dorthin haben wir noch zwei Zwischenstopps eingelegt, um die atemberaubende Aussicht zu genießen bzw. ein typisches Dorf von Lanzarote auf uns wirken zu lassen.
Der Timanfaya Nationalpark ist auf jeden Fall einen Besuch wert. Ich war total begeistert zu sehen, wie Äste welche von einem Mitarbeiter in ein 2 Meter tiefes Loch geworfen worden, von selbst anfingen zu brennen. Allerdings mein absolutes Highlight war der Lavagrill, ein wie ein Brunnen eingefasstes Loch, auf dem mit Erdwärme halbe Hähnchen gegrillt worden. Unvorstellbar welche Energiemengen hier nur wenige Zentimeter unter unseren Füßen lagen und dies, obwohl der Vulkanausbruch von 1730 bis 1736 schon einige Zeit zurückliegt.
Zum Abschluss sind wir noch zum südlichen Ende der Insel nach Playa Blanca gefahren, wo ich endlich zum ersten Mal im Atlantik schwimmen konnte. Und während ich Anfang November im angenehm warmen Wasser des Atlantiks geschwommen bin, habe ich auch meiner Familie und der Kollegen gedacht welche zur gleichen Zeit den feuchten, kühlen und grauen November in Deutschland genießen durften.

05.11.2013 – Ankunft der QUEEN F. auf Lanzarote

Die Segelyacht ist endlich auf Lanzarote angekommen und ab 1400 können wir an Bord. Die Crew von der Überführung sah sehr mitgenommen aus. Sie sind mehrere Tage ununterbrochen bei mitlaufender Maschine gesegelt, um möglichst früh anzukommen.
Wir haben uns ein Auto gemietet, um die Einkäufe zu erledigen und unser Gepäck vom Hotel zur Marina zu bringen.
Den Abend verbrachten wir gemeinsam mit der Überführungscrew bei einem sehr leckeren Fischessen im Ort. Während des Essens schilderte uns die Crew ausführlich die Strapazen, welche sie auf sich genommen haben um die QUEEN F. nach Lanzarote zu bringen.

MEMO: Langstreckenfahrt auf die ToDo Liste gesetzt.

06.11.2013 – Der erste Tag auf See

Fischer in kleinem Boot auf dem Atlantik

Der erste Tag auf See, der Wind ist schwach und die Welle ist niedrig. Sehr gute Bedingungen um sich an das Meer und die Yacht zu gewöhnen. Gegen Mittag haben wir zum Tanken in Puerto Calero festgemacht und die Gelegenheit auch gleich für einen Mittagssnack an Bord genutzt. Am späten Nachmittag haben wir dann in der Marina Rubicon festgemacht.
Am Abend wurde der nächste Schlag geplant. Unser Ziel ist die Marina San Miguel auf Teneriffa. Für diesen Schlag werden wir etwas mehr als 24 Stunden benötigen, daher stellte der Skipper einen Wachplan auf und teilte die Wachen ein. Es wurden zwei Wachen zu je 4 Personen gebildet, welche am Tag 6 Stunden und in der Nacht 4 Stunden für die Schiffsführung verantwortlich sind.

07.11.2013 – Lanzarote – Teneriffa

Gegen 1100 sind wir Richtung Teneriffa ausgelaufen. M eine erste Wache ging von 1600 bis 2200 also habe ich mich erstmal in die Koje zurückgezogen und etwas geschlafen.
Vor Beginn meiner Wache haben wir gemeinsam an Bord gekocht und zu Abend gegessen. Es gab Spaghetti mit Tomatensoße und ich war überrascht wie gut das trotz der beengten Verhältnisse und der Schaukelei ging.
Ich hatte das Privileg die QUEEN F. in den Sonnenuntergang zu steuern. Gegen 2200 fiel ich glücklich und erschöpft in meine Koje.

08.11.2013 – Überfahrt nach Teneriffa

Die zweite Wache ging von 0200 bis 0600, die Hundewache. Nach nur knapp 4 Stunden Schlaf eine sehr zähe Angelegenheit.

UFO Alarm?

Während der Wache beobachteten wir immer wieder orange Lichter am Himmel, die sich sehr langsam dem Boden näherten und dann verschwanden. Kurz darauf tauchte wieder an der gleichen Stelle ein Oranges Licht am Himmel auf und das Spiel wiederholte sich. Davon und von dem Leuchten des Planktons abgesehen gab es keine besonderen Vorkommnisse.

Ende der Wache

Später habe ich mir noch eine Portion Nudeln gegönnt. Leider wurde mir kurz darauf etwas übel.
Aha, so beginnt also eine Seekrankheit! Zum Glück ist es bei der leichten Übelkeit geblieben und zum Ende der Wache habe ich mir eine Tablette gegen Seekrankheit gegönnt.
Müde von der Wache und der Tablette bin ich um 0600 in die Koje. Keine leichte Entscheidung, da mir immer noch etwas mulmig im Magen war. Allerdings bin ich sofort in einen sehr tiefen Schlaf gefallen.

Die Halse

Plötzlich wurde ich durch einen lauten Knall geweckt. Zeitgleich wurde ich von einer Seite der Koje in das Leesegel auf der anderen Seite geworfen.
Hallo Wach!
Noch nicht ganz wach vernahm ich die Rufe nach dem Skipper. “Wir haben zu viel Wind wir brauchen das dritte Reff”. Der Skipper antwortete, er würde gleich kommen. Offensichtlich war nichts Schlimmes passiert und die Situation unter Kontrolle. Also habe ich mich umgedreht und weitergeschlafen.

Die nächste Wache

Im Halbschlaf habe ich als nächstes registriert, dass der Mitbewohner meiner Kabine aufstand und sich fertig machte. Um 1000 wurde ich sanft von der Wachführerin der anderen Wache mit den Worten “Hey es ist 10 Uhr, hast Du keine Lust Deine Wache anzutreten?” geweckt.
Hallo Wach!
Hatte ich doch tatsächlich den nächsten Wachwechsel nicht mehr auf dem Schirm!
Mit etwas schlechtem Gewissen stand ich 5 Minuten später zur Wache an Deck. Gelegentlich spritzte die Gischt über das Deck und die Yacht tanzte über die Wellen, so macht Segeln Spaß.

Die UFOS wurden identifiziert

Während wir so die südöstliche Küste von Teneriffa entlang segelten, klärte sich auch das Geheimnis um die merkwürdigen orangen Lichter, welche Nachts sehr langsam vom Himmel zum Boden sanken. Es waren die Scheinwerfer der Flugzeuge im Landeanflug auf Teneriffa.
Gegen Mittag haben wir erschöpft aber glücklich in der Marina San Miguel festgemacht. Nach einem kombinierten Anleger und Frühstück ging es erst einmal unter die Dusche und dann ausruhen.

Memo: Mein Erster Schlag über 26 Stunden und 180 Seemeilen war anstrengend und eine gute Erfahrung.

09.11.2013 – Hafenliegetag

Aufgrund des starken Windes haben wir einen Hafenliegetag eingeschoben. Leider ist es uns nicht gelungen ein Auto zu mieten, um die Insel zu erkunden. Insbesondere der Teide hätte mich schon sehr gereizt. Stattdessen habe ich die Küste zu Fuß erkundet.

10.11.2013 – Teneriffa – La Gomera

Kanarentörn,Küste von La Gomera

Wir segeln nach La Gomera, eine sehr ruhige und angenehme Überfahrt. Etwas mehr Wind wäre schön gewesen. Wir wurden jedoch durch eine Gruppe von Grindwalen entschädigt. Nachdem wir die NOVELLO BLISS, ebenfalls eine Yacht vom Skipperteam eingeholt hatten. Sind wir eine kleine Regatta gesegelt, sie hatten keine Chance.
Später haben wir in der Marina La Gomera (San Sebastian) festgemacht.

11.11.2013 – San Sebastian – Santa Cruz de La Palma

Für 0800 war das auslaufen Richtung Santa Cruz de La Palma geplant. Die EDV des Hafenmeisters hatte etwas dagegen, sodass es bis 1100 dauerte, bis die Götter der EDV milde gestimmt waren und alle Formalitäten beim Hafenmeister erledigt werden konnten. Für die Überfahrt waren 12 Stunden veranschlagt. Rasmus und Petrus waren diesmal auf unserer Seite so das wir bereits nach 10 Stunden in der Marina La Palma festmachen konnten. Und die Überfahrt war so entspannend, dass ich 3 von den 10 Stunden schlafend in meiner Koje verbracht habe. Man glaubt gar nicht wie anstrengend und entspannend zugleich die Schaukelei wirkt.

12.11.2013 – Hafenliegetag auf La Palma

Zusammen mit einem anderen Crewmitglied habe ich Santa Cruz erkundet. Morgen solle es zurück nach Gomera gehen.

Blick auf Santa Cruz de La Palma
« 1 von 7 »

13.11.2013 – Santa Cruz – Valle Gran Rey de La Gomera

Wir sind nach Gomera zurückgekehrt und haben diesmal in Valle Gran Rey festgemacht. Ein Hafen ohne Marina für Sportboote, aber immerhin mit sanitären Einrichtungen. Ein Mitsegler lotste uns zur Casa Maria an der Playa de la Calera, wo wir begleitet von den Darbietungen zugezogener Feuerschlucker unser Sundowner Bier genossen haben. Hier hat man einen wunderbaren Blick auf den Sonnenuntergang.

Casa Maria
« 1 von 3 »

14.11.2013 – Valle Gran Rey – Marina San Miguel auf Teneriffa

Auf dem Rückweg nach San Miguel haben wir Delphine gesichtet. Nach den Grindwalen vor einigen Tagen das zweite Mal, dass wir die großen Meeresbewohner in Freiheit bewundern durften. In San Miguel haben wir nur noch einen Platz an der Tankstelle bekommen. Um diese Jahreszeit sind die Marinas auf den Kanaren alle sehr voll. Von hier aus starten die meisten Yachten ihren Törn in die Karibik und am 24.11. Startet die ARC an der auch die QUEEN F. und die NOVELLO BLISS teilnehmen werden.

15.11.2013 – San Miguel nach Santa Cruz auf Teneriffa

Gegen 0900 sind wir nach Santa Cruz aufgebrochen. Wir mussten gegen den Wind kreuzen und haben in der Dunkelheit in der Marina Santa Cruz festgemacht.

16.11.2013 Santa Cruz nach Las Palmas de Gran Canaria

Nach einem relativ kurzen Schlag haben wir in der überfüllten Maria von Las Palmas festgemacht. Hier sammeln sich die Segler welche in einigen Tagen mit der ARC über den Atlantik segeln werden. Das Anlegen gestaltete sich etwas schwierig. Wir mussten uns mit sanfter Gewalt zwischen zwei Yachten drücken. Damit hatten wir den Endhafen des Großen Kanarentörns erreicht. In der Stadt war überall Party angesagt. Alle waren damit beschäftigt den Törn über den Atlantik vorzubereiten und noch ein letztes mal vor der Karibik zu feiern. Wir haben in der Stadt zu Abendbrot gegessen was sich diesmal als etwas schwierig herausstellte, aber nach einigem hin und her und einem Machtwort vom Skipper, haben wir dann ein geeignetes Restaurant gefunden. Zum Abschluss haben wir an Bord noch gemütlich beisammen gesessen und Rotwein getrunken.

17.11.2013 Der letzte Tag auf der QUEEN – Rückreise

Nach dem letzten gemeinsamen Frühstück an Bord haben wir gemeinsam die Yacht geputzt und dann die QUEEN F. nach einem schönen Törn verlassen. Zwei Mitseglerinnen, die noch einige Tage auf Gran Canaria bleiben würden, waren so freundlich mich zum Busbahnhof zu fahren, von wo ich den Bus zum Flughafen genommen habe. Der Busverkehr ist auf den Kanaren vorbildlich organisiert, da können wir uns in Deutschland noch eine Scheibe abschneiden. Am Flughafen habe ich dann noch einige Souvenirs erstanden und dann ging auch schon mein Flug über Madrid nach Frankfurt.
In Madrid angekommen freute ich mich auf eine gemütliche 1 ¾ Stunde Aufenthalt, bis mein Anschlussflieger gehen würde. Einer inneren Eingebung folgend orientierte ich mich erst einmal an der Anzeigetafel, um zu sehen, von welchem Gate mein Flug gehen würde. Zu meiner großen Überraschung musste ich feststellen, dass bei meinem Flug bereits das Boarding begonnen hatte. Da hätte ich doch beinahe wegen der Zeitverschiebung von einer Stunde meinen Flug verpasst. Zum Glück habe ich es rechtzeitig bemerkt und den Flug nicht verpasst. In Frankfurt angekommen wurde ich bereits am Gepäckband ausgerufen noch, bevor der erste Koffer auf dem Förderband erschienen ist. Mein Seesack hat den Umstieg in Madrid leider nicht geschafft und mir wurde angeboten ihn am nächsten Tag abzuholen. Was ich dankend ablehnte, da ich um 0900 im Büro erwartet wurde, also wurde er mir per DPD am Dienstag nachgeliefert.

MEMO maximales Handgepäck und alle wichtigen dinge sowie Schlüssel immer am man.

Fazit

Ich habe auf den Kanaren einen wunderschönen Urlaub verbracht, der in mir das dringende Bedürfnis nach mehr Segeln geweckt hat. Die Kanarischen Inseln sind ein sehr schönes und klimatisch sehr angenehmes Segelrevier. Ich habe meine ersten Erfahrungen mit längeren Schlägen gesammelt. Um künftig eine aktivere Rolle an Bord übernehmen zu können und vor allem auch die Verkehrsregeln auf See zu verstehen, steht als Nächstes die Ausbildung und damit das Absolvieren der Prüfungen zu den verschiedenen Scheinen an.

Bilder

Blick in die Ferne
Blick in die Ferne
« 1 von 60 »

Wie hat Dir der Beitrag gefallen?

Sei der erste der den Beitrag bewertet.

MißlungenNicht so gutOkayGutGroßartig
0,00 von 5 Sterne, basierend auf 0 abgegebenen Stimmen.


Loading...

Lars Matti

Pfälzer (kann man ja eigentlich nur durch Geburt werden) mit Migrationshintergrund aus Anhalt der versucht Ordnung in das Chaos zu bringen.

Schreibe einen Kommentar

10 + zwölf =