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Von Bergen nach Kappeln – Ein Törn mit Tiefgang

Faszinierende Landschaft Kirkehamn mit bunten Hausdörfern und atemberaubender Natur.
Kirkehamn Norwegen

Im Juli 2024 starte ich von Bergen in Richtung Kappeln – über Skagen, Dänemark und die dänische Südsee. Anfangs ist die Stimmung an Bord angespannt, doch mit der Zeit kehrt Ruhe ein. Ich lerne viel über sportliches Segeln, Gruppendynamik – und meine eigenen Grenzen. Nicht immer einfach, aber am Ende ein intensiver und lohnenswerter Törn.

28.10.2023 – Eine spannende Möglichkeit

Ein befreundeter Segler erzählt mir von einer interessanten Mitsegelgelegenheit: Ein Törn von Kappeln nach Tromsø – und wieder zurück. Der Eigner plant die Reise als lange Fahrt in mehreren zweiwöchigen Etappen und bietet diese auf „Hand gegen Koje“-Basis an.

Das klingt für mich nach einem echten Abenteuer! Die Route, das Konzept, das hohe Ziel – all das weckt sofort meine Neugier. Also zögere ich nicht lange und schicke dem Eigner eine Anfrage. Mal sehen, ob es klappt…

05.12.2023 – Zusage für den Törn

Heute kam die Zusage: Ich darf bei der Etappe von Bergen über Skagen nach Kappeln mitsegeln! Genau genommen sind es sogar zwei Etappen, aber je länger man an Bord bleibt, desto mehr Zeit hat man, den Törn wirklich zu erleben.

Gerade am Anfang braucht man zwei bis drei Tage, um sich einzuleben, den Rhythmus an Bord zu finden – und sich die berühmten „Seebeine“ wachsen zu lassen. Da ich meinen Urlaub komplett auf dem Wasser verbringen möchte, versuche ich immer, möglichst viel Zeit auf dem Schiff zu genießen und nicht unnötig viel Energie in An- und Abreise zu stecken. Umso schöner, dass es diesmal ein längerer Abschnitt geworden ist!

09.01.2024 – Vertrag unterschrieben und erste Zahlung geleistet

Der Crewvertrag ist nun unterschrieben – und auch die erste Zahlung ist bereits erfolgt. Der Vertrag ist erstaunlich detailliert und regelt die Verantwortlichkeiten an Bord sehr klar. Mein Eindruck: Der Eigner hat klare Vorstellungen davon, wie das Miteinander funktionieren soll, und möchte möglichst alle Eventualitäten im Vorfeld abdecken. Verständlich – auf engem Raum und bei wechselnden Crews kann das viel Ärger ersparen.

Etwas überrascht war ich von der ersten Abrechnung: Für den Törn wurden bereits Seekarten und Handbücher besorgt, und die Kosten wurden anteilig auf die Mitsegler umgelegt. Zunächst fand ich das ungewöhnlich – schließlich zählen Navigationsunterlagen zur Standardausrüstung eines Schiffs. Aber: Die Unterlagen wurden speziell für diese Route angeschafft, zu günstigen Preisen besorgt und transparent abgerechnet. Im Crewvertrag ist auch klar geregelt, dass solche Kosten gemeinsam getragen werden – inklusive Skipper.

Ich vermute, dass der Eigner damit nicht nur die Finanzierung fair aufteilt, sondern auch gleich einen kleinen „Ernsthaftigkeitsfilter“ eingebaut hat: Wer frühzeitig Kostenanteile zahlt, meint es in der Regel wirklich ernst mit dem Mitsegeln.

27.07.2024 – Anreise nach Bergen

Bei Regenwetter starte ich früh in den Tag: Um 05:40 steige ich in den Zug Richtung Mannheim, von dort geht es weiter mit dem Bus zum Frankfurter Flughafen. Der Bus ist Teil des Schienenersatzverkehrs, den die Deutsche Bahn im Zuge der Sanierung der Riedbahn eingerichtet hat.

Es fällt mir schwer, das nicht zu kommentieren: Seit der Bahnprivatisierung wurde das Netz auf Verschleiß gefahren, während notwendige Instandhaltungen über Jahre hinausgezögert wurden. Leider ist das kein Einzelfall. Ein ähnliches Muster zeigt sich in vielen Bereichen der öffentlichen Infrastruktur in Deutschland: Erhalt wird vernachlässigt, und erst wenn etwas buchstäblich auseinanderfällt, wird großflächig „neu gemacht“ – oft mit viel Medienrummel, aber selten besser als das, was vorher da war. Nachhaltigkeit sieht anders aus.

Zurück zum Thema: Mein Flug startet mit 40 Minuten Verspätung – die Crew hatte es nicht rechtzeitig zum Flughafen geschafft. Trotzdem landen wir in Bergen nur 20 Minuten später als geplant. Respekt an das Cockpit!

Moderne Flughafenanlage in Bergen, Norwegen mit Blick auf die Berge, Flugzeuge und Startbahn.
Flughafen Bergen

Um 14:40 werde ich im Stadthafen von Bergen vom Skipper und dem zweiten Mitsegler begrüßt. Nach einem kurzen Kennenlernen verholen wir uns in die Marina von Strusshamn. Im Hafen von Bergen wurde letzte Nacht offenbar auf einem benachbarten Motorboot heftig gefeiert – die beiden berichten von ordentlich Lärm bis in die frühen Morgenstunden.

Unterwegs beginne ich, meine Sachen in den mir zugewiesenen Stauraum im Salon zu räumen. Für die nächsten 14 Tage werde ich dort schlafen – danach, wenn die erste Etappe endet und der Mitsegler von Bord geht, ziehe ich nach achtern in die Hundekoje.

Zwischen 15:45 und 18:30 folgt ein erstes ausführliches Kennenlernen – und die Einweisung an Bord. Alles ist extrem gut organisiert, für jede noch so kleine Tätigkeit gibt es klare Anweisungen. Der Skipper legt großen Wert auf Sauberkeit, Ordnung und pfleglichen Umgang mit seinem Eigentum. Das ist nachvollziehbar, aber nach dem langen Reisetag und mit einem müden Kopf (seit 03:30 auf den Beinen!) ist das ziemlich viel Input.

Die Yacht selbst ist in hervorragendem Zustand – alles aus hochwertigen Materialien, liebevoll gepflegt. Anders als die Fahrtenyachten, auf denen ich bisher unterwegs war, ist dieses Schiff ganz klar auf sportliches Segeln ausgelegt.

Am Abend besprechen wir den geplanten Kurs für die kommende Woche. Es klingt nach einem ruhigen Einstiegstörn, ideal zum Eingewöhnen. Auch der Wetterbericht ist vielversprechend: wenig Regen, mäßiger Wind, angenehme Temperaturen. Um 22:30 falle ich endlich in die Koje.

28.07.2024 – Strusshamn → Mosterhamn

Ich wache um 06:00 auf – erstaunlich ausgeschlafen! Die erste Nacht im Salon war deutlich besser als erwartet. Die Koje ist ausreichend breit, und sowohl der Skipper als auch der Mitsegler haben sich rücksichtsvoll verhalten. Keine nächtlichen Störungen, kein Gerumpel, keine Toilettengänge – einfach tief und fest geschlafen.

Im Laufe des Morgens fällt mir auf, wie sehr der Skipper auf den Erhalt der Holzoberflächen achtet – mit beinahe liebevoller Akribie. Gleichzeitig achtet er ebenso aufmerksam auf seine Crew.

Um 07:45 laufen wir aus. Ich stehe am Ruder, während der Skipper das Frühstück vorbereitet. Auch dabei gibt es genaue Abläufe – vor allem zum Schutz des lackierten Holzes. Wir frühstücken nacheinander, um unnötiges Hin- und Herlaufen zu vermeiden. Während ich esse, beginnt es leicht zu nieseln. Frisch gestärkt und in mein Ölzeug gehüllt übernehme ich erneut das Ruder.

Gegen 09:00 werde ich abgelöst. Mein nasses Ölzeug verstaue ich – wie vorgeschrieben – in der Backskiste, um keine Feuchtigkeit unter Deck zu bringen. Um 09:30 ziehe ich mich zurück, um etwas zu ruhen.

Um 11:00 stellt der Skipper den Wachplan vor: Es wird in einem 6-Stunden-Rhythmus gefahren – jeweils zwei Stunden Wache, zwei Stunden Standby, zwei Stunden zur freien Verfügung. Eine gute Struktur, wie ich finde.

Um 14:00 beginnt meine Wache. Wir segeln platt vor dem Wind – mein persönlicher Angstkurs. Ein kurzer Moment der Unachtsamkeit, und der Großbaum kann zur Patenthalse ansetzen. Ich bin also hochkonzentriert.

Gegen 16:00 machen wir in Mosterhamn fest – ein kleiner, beschaulicher Ort, sehr malerisch. Leider bietet der Hafen keinerlei sanitäre Einrichtungen.

Um 19:00 zaubert der Skipper ein leckeres Abendessen. Danach verbringt jeder den Abend für sich. Ich folge seiner Buchempfehlung und greife zu Jan Wandelaar aus der Bordbibliothek – ein spannender Fund.

Um 22:00 geht’s zurück in die Koje. Ein langer, intensiver, aber guter erster Segeltag.

29.07.2024 – Von Mosterhamn nach Tananger (und weiter)

Um 07:00 wache ich ausgeschlafen auf und baue leise meine Koje im Salon zurück. Kurz darauf erscheint auch der Skipper aus seiner Kabine – ein Blick aufs Wetter genügt, um zu entscheiden: Kein Wind heute, also lieber gleich los. Ich koche noch schnell Tee und Kaffee, dann legen wir ab. Während ich das Stromkabel verstaut habe, sind wir praktisch schon unterwegs. Man merkt sofort: Der Skipper und der Mitsegler sind ein eingespieltes Team.

Um 08:00 beginnt meine Wache, während der Skipper – wie gewohnt – das Frühstück vorbereitet. Auch heute frühstücken wir nacheinander, ruhig und funktional.

Gegen 09:00 frischt der Wind endlich auf, wir setzen die Segel und stellen den Motor ab. Es wird sofort deutlich: Der Skipper ist nicht einfach nur ein Segler – er ist Regattasegler. Mit bemerkenswerter Akribie kitzelt er jedes Zehntel Knoten aus dem Wind heraus. Als eine deutlich größere Hanse achteraus näher kommt, wird sein sportlicher Ehrgeiz geweckt – er übernimmt das Steuer. Tatsächlich gelingt es ihm, mit seinem kürzeren Boot mithalten zu können – was mir zeigt: Erfahrung und Feingefühl machen eben doch einen Unterschied.

Gegen 10:00 dreht der Wind und kommt direkt von vorn. Wir bergen die Segel – dabei rauscht mir das Großfall durch die Hand, und das Großsegel fällt unkontrolliert herunter. Also alles noch mal: Segel wieder hoch, ordentlich falten, ordentlich im Lazy Bag verstauen. Für Arbeiten am Mast bin ich mit meiner Körpergröße offenbar nicht ganz optimal ausgestattet – auch das ist hier an Bord ein Faktor.

Um 18:50 machen wir schließlich in Tananger fest. Eigentlich war unser Ziel Kopervik, aber die elektronische Seekarte hatte uns einen Streich gespielt: Die dort erwarteten Liegeplätze existierten schlicht nicht. Eine Seemeile weiter lag der eigentliche Hafen, doch dort waren die Gastliegeplätze alles andere als einladend – eher ungastlich und ungepflegt.

Also beschließen wir, weitere sechs Seemeilen nach Forevik zu fahren. Dort ergattern wir mit etwas Glück einen der drei Gastliegeplätze. Allerdings stellt sich schnell heraus, dass die Wassertiefe begrenzt ist – bei Ebbe besteht die Gefahr, auf einen Felsbrocken aufzusetzen. Also entscheiden wir uns, nur kurz am örtlichen Supermarkt Vorräte aufzufrischen – und bis zum Zielhafen des nächsten Tages weiter zu fahren. Im Rückblick: seglerisch eine gute Entscheidung. Nach Verlassen der Landabdeckung konnten wir mit der Genua II hoch am Wind noch richtig Strecke machen. Um 23:30 falle ich müde, aber zufrieden, in die Koje.

30.07.2024 – Hafenliegetag in Tananger und Ausflug nach Stavanger

Ein ruhiger Tag beginnt – um 10:30 brechen wir nach Stavanger auf, um dort das Norwegische Ölmuseum zu besuchen. Ich bin ehrlich gesagt kein großer Museumsfan, aber dieses hier überrascht mich: äußerst informativ, gut gestaltet, mit vielen greifbaren Exponaten, die das Leben und Arbeiten auf Ölplattformen anschaulich machen. Die Geschichte der norwegischen Gas- und Ölförderung wird sachlich, aber eindrucksvoll erzählt.

Während des Ausflugs wird mir etwas unbehaglich: Der Ton zwischen Skipper und Mitsegler verändert sich spürbar. Was ich zunächst als freundschaftliches Gefrotzel interpretiert habe, kippt zunehmend in Sticheleien und unterschwellige Gemeinheiten. Ich halte mich bewusst zurück – mal sehen, wo das noch hinführt.

Nach einem schönen Tag in der Stadt kehren wir am späten Nachmittag zurück an Bord. Doch am Abend kippt die Stimmung endgültig:

Nach dem Abendessen konfrontiert uns der Skipper recht unvermittelt mit seiner Unzufriedenheit. Er kritisiert unsere „Leistung“ und vermisst Eigeninitiative. Für mich schwer nachzuvollziehen, denn an Bord existiert für alles eine detaillierte Regel oder Handlungsanweisung – und selbst gut gemeinte Initiative führt häufig zum Tadel.

Hilft man ungefragt, ist es nicht recht. Fragt man vorher, wird Hilfe oft abgelehnt. Handelt man selbstständig, gibt’s manchmal Lob – meistens aber Kritik, wenn es nicht exakt den Erwartungen entspricht. Zusätzlich schwebt ständig das Damoklesschwert einer möglichen Beschädigung über allem – selbst die bloße Möglichkeit, versehentlich etwas anzukratzen, führt zu scharfen Reaktionen.

Kurz: Es ist ein Drahtseilakt. Und kein besonders entspannter.

31.07.2024 – Von Tananger nach Kirkehamn

09:00 Uhr – Leinen los in Tananger. Sobald wir die offene See erreichen, setzen wir Großsegel und Genua und segeln raumschots.

10:00 Uhr – Mit beiden Segeln lässt sich der Kurs nicht mehr sauber halten. Wir probieren es erst nur mit der Genua, dann nur mit dem Groß. Die Bedingungen erfordern laufende Anpassungen.

13:00 Uhr – Der Wind dreht weiter. Wir baumen zusätzlich die Genua aus und segeln Schmetterling – platt vor dem Wind. Trotz der ruppigen Bedingungen laufen wir beeindruckende 13 Knoten bei 7 Beaufort.

14:00 Uhr – Ich übernehme das Steuer. Der Skipper gibt mir hilfreiche Tipps, wie man auf Vorwindkurs die knapp 2 Meter hohen Wellen effektiv „ab surft“. Es ist fordernd, aber auch eine tolle Lernerfahrung.

16:30 Uhr – Kurz vor Kirkehamn bergen wir die Segel. Der Wind liegt bei konstant 30 Knoten, die Welle ist nach wie vor hoch. Das Manöver ist anspruchsvoll, aber gut vorbereitet – der Skipper hatte es vorher mit uns durchgesprochen. Die Zusammenarbeit zwischen dem Mitsegler und mir klappt am Mast erfreulich gut. Aufgrund der sportlichen Ausstattung des Boots ist das Bergen nur mit mindestens einer Person auf dem Vorschiff machbar.

18:00 Uhr – Wir machen in Kongshavn, dem Gästehafen von Kirkehamn, fest.

20:30 Uhr – Die Stimmung an Bord ist angespannt. Der Skipper ist erneut unzufrieden mit unserer Leistung. Um ehrlich zu sein: Wer auf einem Hand-gegen-Koje-Törn ernsthaft die Leistung erfahrener Regattasegler erwartet, sollte seine Crew wohl etwas gezielter auswählen – aber diesen Gedanken behalte ich lieber für mich.

Zwischen dem Skipper und dem Mitsegler kommt es zum offenen Streit. Die schon länger andauernde, eher harsche Kritik des Skippers scheint beim Mitsegler nun auf Widerstand zu stoßen. Hinzu kommen schlechte Nachrichten aus der Heimat, die der Skipper zwar bemüht ist, nicht nach außen dringen zu lassen – was ihm aber nur teilweise gelingt. Ich habe dafür ein gewisses Verständnis, schließlich ist niemand von uns völlig frei von privaten Belastungen.

Trotzdem: Es ist und bleibt mein Urlaub. Und der sollte sich nicht wie ein emotionales Minenfeld anfühlen. Ich beginne vorsorglich, meine Optionen für eine vorzeitige Rückreise zu prüfen.

22:45 Uhr – Nach einem ausgedehnten Spaziergang durch den Ort kehre ich zurück an Bord. Die Spannung ist nach wie vor spürbar. Wir sitzen noch eine Weile gemeinsam im Cockpit, trinken etwas und unterhalten uns über belanglose Themen. Es bleibt jedoch frostig unter der Oberfläche.

01.08.2024 – Hafenliegetag in Kirkehamn

Am Morgen gehe ich in den Ort, um einige Vorräte zu besorgen. Anschließend mache ich allein einen Ausflug zur historischen Befestigungsanlage HKB 21/978 Hitterøy aus dem Zweiten Weltkrieg, die oberhalb des Ortes liegt. Eine eindrucksvolle Stätte mit weitem Blick über die Umgebung – ruhig, still, geschichtsträchtig.

14:15 Uhr – Zurück an Bord. Die Lage hat sich leider nicht entspannt. Die beiden haben immer noch nicht miteinander gesprochen – eine vertane Chance, wie ich finde.

Am Abend geht der Skipper allein ins Restaurant, während der Mitsegler und ich an Bord essen. Ein merkwürdiges Verhalten – immerhin handelt es sich um sein Boot. Wenn er unsere Gesellschaft so schwer erträgt, könnte er die Konsequenz ziehen und allein weitersegeln. Stattdessen schwebt eine seltsam passive Distanziertheit über allem.
Nach dem Essen verzieht sich jeder in seine Koje. Entspannung sieht anders aus.

02.08.2024 – Kirkehamn nach Korshamn

07:30 Uhr – Wir legen ab. Die Stimmung an Bord ist etwas besser, aber weiterhin angespannt. Nach meiner Wache sucht der Skipper das Gespräch mit mir, um meine Einschätzung zur Gesamtsituation zu hören. Er bittet mich außerdem, bei Gelegenheit mit dem Mitsegler zu sprechen – mit dem Ziel, die Lage zu entschärfen.

Später ergibt sich eine passende Gelegenheit, und ich spreche mit dem Mitsegler. Beide Seiten zeigen sich letztlich einsichtig und erkennen an, dass sie jeweils ihren Anteil an der Eskalation hatten. Ein erster Schritt in die richtige Richtung.

Nach einem ruhigen Törn machen wir ohne besondere Vorkommnisse in Korshamn fest. Ich nutze die Zeit für einen kleinen Landgang und entdecke einen Laden, in dem eine ältere Dame Handarbeiten verkauft – gefertigt von einer Gruppe von 13 Senioren. Ich finde dort ein schönes Mitbringsel für die Daheimgebliebenen.

Die Dame versichert mir, dass der Weg, den ich gekommen bin, ein Rundweg sei, und zeigt mir eine entsprechende Karte. Ich folge dem Pfad weiter – und werde mit einem spektakulären Ausblick belohnt. Norwegens Landschaft ist einfach beeindruckend.

Der Weg wird zunehmend schmaler und wilder. An mindestens drei Stellen bin ich sicher, dass er endet – nur um festzustellen, dass er sich hinter einem Busch oder Felsen doch fortsetzt. Einmal muss ich sogar klettern, um nicht umkehren zu müssen. An drei Weggabelungen stehe ich schließlich vor Entscheidungen: rechts oder links? Irgendwann erreiche ich eine kleine Straße mit Wohnhäusern – von dort aus finde ich den Weg zurück zum Hafen schnell wieder.

Während meiner Abwesenheit haben Skipper und Mitsegler die Zeit offenbar genutzt und ein offenes Gespräch geführt. Die Stimmung an Bord ist spürbar entspannter als zuvor.

03.08.2024 – Korshamn nach Kristiansand

07:30 Uhr – Abfahrt Richtung Kristiansand, wo wir gegen 14:30 Uhr anlegen.

Nach den üblichen Arbeiten gehe ich in die Stadt, um mir etwas gegen aufkommende Halsschmerzen zu besorgen. Hoffentlich entwickelt sich da nichts – übermorgen steht die große Überfahrt über das Skagerrak nach Dänemark an.

Zurück an Bord erwartet mich eine neue Nachricht: Der Wetterbericht hat sich geändert. Statt übermorgen soll die Überfahrt bereits morgen früh um 04:00 Uhr stattfinden. Ursprünglich war geplant, vorher noch etwa 30 Seemeilen entlang der norwegischen Küste zu segeln, bevor wir den Sprung nach Dänemark wagen. Der Wetterumschwung macht diese Planänderung nötig.

In weiser Voraussicht gehen wir alle drei bereits um 20:45 Uhr in die Kojen.

04.08.2024 – Kristiansand nach Skagen

04:00 Uhr – Pünktlich legen wir ab und lassen Norwegen hinter uns. Zunächst fahren wir unter Motor, später können wir auch Segel setzen und überqueren so das Skagerrak bei ruhiger See. Ich bekomme meine aufkommende Erkältung glücklicherweise in den Griff.

Unterwegs kündigt der Mitsegler dem Skipper an, dass er in Skagen von Bord gehen wird. Der Skipper nimmt das nicht gut auf. Er fordert, dass der Mitsegler das Boot noch am selben Tag verlässt und sich anteilig an Diesel- und Hafenkosten bis zum geplanten Ende der Etappe beteiligt.

Ein besonderer Moment auf See: Eine große Delfinschule taucht am Bug auf und begleitet unser Boot etwa 15 Minuten lang – so nah und so lange habe ich noch nie Delfine auf einem Törn erlebt. Ein beeindruckendes Erlebnis.

Der Mitsegler packt bereits unterwegs seine Sachen. Das Anlegemanöver in Skagen fahren der Skipper und ich allein. Der Skipper meint, wir müssten den Rest des Törns ohnehin zu zweit schaffen, da sei es sinnvoll, schon jetzt ohne die Unterstützung des Mitseglers auszukommen. Noch bevor wir richtig festgemacht haben, verlässt der Mitsegler mit seinem Gepäck das Boot, um den letzten Zug zu erreichen.

Nachdem alle Anlegearbeiten erledigt sind, lädt mich der Skipper zu einer Pizza ein. Bei dem Essen sprechen wir offen über die angespannten letzten Tage. Danach wasche ich noch etwas Wäsche und ziehe in die Achterkabine um. Gegen 02:00 Uhr gehe ich in die Koje und lese noch ein wenig in „Jahn Wendelar“, um zur Ruhe zu kommen. Irgendwann schlafe ich ein.

05.08.2024 – Hafenliegetag in Skagen

10:30 Uhr – Nach dem Duschen und dem Brötchenholen hat der Skipper ein leckeres Omelett vorbereitet. Die Stimmung an Bord ist deutlich besser – ich hoffe, das bleibt so.

Nach dem Frühstück und einem gründlichen „Klar Schiff“ mache ich mich auf, um den Tag an Land zu genießen. Ich leihe mir ein Fahrrad und fahre am Leuchtturm Skagen vorbei zum Kap Grenen, der nördlichsten Landspitze Dänemarks. Dort treffen Nordsee und Ostsee aufeinander. Offenbar hatten viele Besucher die gleiche Idee: Vom Kiosk, an dem ich mein Fahrrad abgestellt habe, zieht sich eine regelrechte Völkerwanderung über den Strand – vorbei an Bunkern aus dem Zweiten Weltkrieg – bis zur Landzunge welche die Grenze zwischen Nordsee und Ostsee markiert. Ich stelle mich mit einem Bein in jede See und betrachte die auf dem Wasser deutlich erkennbare Abgrenzung der beiden Meere.

Ich erkunde noch ein wenig die umliegenden Dünen. Dabei kommt es zu einer etwas unfreundlichen Begegnung mit einer etwa 30 cm langen Schlange, die sich mindestens ebenso erschreckt wie ich. Das ist mein Zeichen für den Rückweg.

Ich fahre in einem weiten Bogen um Skagen herum zurück und erreiche das südliche Ende der Stadt. Das hervorragend ausgebaute Radwegenetz verläuft parallel zu den Straßen – sehr angenehm. Ich bummle durch die lebendige Innenstadt, bevor ich das Rad zurückgebe.

17:00 Uhr – Zurück an Bord finde ich den Skipper in seiner Koje. Offenbar hat er sich den Magen verdorben. Ich hoffe, es geht ihm bald besser. Da er nicht mitkommen kann, folge ich seiner Empfehlung und esse allein in einem kleinen Restaurant am Hafen ein exzellentes Schollenfilet.

23:15 Uhr – Ich ziehe mich in meine Koje zurück.

06.08.2024 – Skagen nach Vestevo Havn

09:00 Uhr – Wir laufen aus Skagen aus und setzen Kurs auf Vestevo Havn. Es ist ein sehr schöner Segeltag mit gutem Wind und ruhiger See – perfekte Bedingungen, um Strecke zu machen.

Unterwegs entwickelt sich eine kleine inoffizielle Regatta mit einem Katamaran. Wir holen stetig auf, bis der Kat plötzlich deutlich schneller wird – etwa drei Knoten mehr. Offenbar wird dort regelmäßig die Maschine zur Unterstützung eingesetzt. Trotzdem gelingt es uns, ihn zu überholen, woraufhin er einen anderen Kurs einschlägt.

16:20 Uhr – Wir machen in Vestevo Havn fest. Ein entspannter Segeltag liegt hinter uns.
22:00 Uhr – Ich ziehe mich in meine Koje zurück.

07.08.2024 – Vestevo Havn nach Vestre Baad Havn

07:40 Uhr – Wir legen ab und segeln Richtung Vestre Baad Havn. Auch heute können wir den größten Teil der Strecke unter Segeln zurücklegen, nur im Limfjord müssen wir mangels Wind auf Maschinenkraft umstellen.

16:30 Uhr – Östlich der Brücke legen wir vorübergehend an, um auf deren Öffnung zu warten.

17:00 Uhr – Die Brücke öffnet, wir passieren sie problemlos und machen kurz darauf in Vestre Baad Havn fest. Auf dem letzten Stück erwischt uns ein Regenschauer, sodass ich mein Ölzeug anziehen muss. Leider hat sich dabei an meiner Ölzeughose die Verklebung des Reißverschlusses gelöst. Ich hoffe, dass Decathlon das reparieren kann, ohne dass ich mir eine neue Hose kaufen muss. (Nachtrag: Die Reparatur war problemlos möglich.)

Außerdem haben sich meine aktuellen Segelgummistiefel als unpraktisch erwiesen – zu starr und unbequem. Ich habe beschlossen, mir bei Gelegenheit ein Paar hochwertige, flexible und wasserdichte Segelstiefel zu besorgen.

In der Marina liegen wir zufällig neben einem befreundeten Pärchen des Skippers – ein Boot weiter liegen deren Freunde. Nach dem Abendessen im Restaurant lädt der Skipper beide Paare zu einem geselligen Abend an Bord ein. Es wird ein sehr ausgelassener Abend mit reichlich Alkohol. Ich halte mich bewusst zurück und verabschiede mich gegen 24:00 Uhr in meine Koje. Keine fünf Minuten später schlafe ich tief und fest – während über mir der Bär steppt.

08.08.2024 – Erster Hafenliegetag in Vestre Baad Havn

07:00 Uhr – Ich wache auf und beginne, die letzten Überreste der gestrigen Feier zu beseitigen. Zu meiner Überraschung ist bereits fast alles aufgeräumt – damit hätte ich angesichts des Alkoholpegels am Vorabend nicht gerechnet. 😉

Heute steht Großreinemachen an. In zwei Tagen kommt die Freundin des Skippers an Bord, und er freut sich schon seit Tagen darauf, sie wiederzusehen. Mein Part ist es, das Teakdeck zu behandeln, während der Skipper sich dem Innenbereich widmet.

15:00 Uhr – Wir sind mit allen Arbeiten fertig.
16:00 Uhr – Ich unternehme einen Ausflug nach Aalborg, das nur wenige Kilometer entfernt liegt.
18:10 Uhr – Zurück an Bord. Wir gehen gemeinsam essen und lassen den Tag ruhig ausklingen.
23:10 Uhr – Ab in die Koje.

09.08.2024 – Zweiter Hafenliegetag in Vestre Baad Havn

Der heutige Tag ist zur freien Verfügung geplant – leider macht uns das Wetter einen Strich durch die Rechnung: Es regnet ständig. Zum Glück habe ich mir Aalborg bereits gestern angesehen.

Der Skipper unternimmt mit unseren Bootsnachbarn einen Ausflug in die Stadt und ins nahegelegene Museum. Ich hingegen bleibe lieber an Bord, lese und schlafe ausgiebig. Das tut nach den anstrengenden letzten Tagen richtig gut.

Nach dem gemeinsamen Abendessen ziehe ich mich bereits um 21:00 Uhr in meine Koje zurück.

10.08.2024 – Aalborg nach Hals

Nach dem gemeinsamen Frühstück erledige ich noch ein paar Einkäufe, während der Skipper seine Freundin vom Flughafen abholt. 11:45 Uhr legen wir zu dritt ab – der Start der letzten Etappe unserer Reise.

Das Tagesziel ist Hals, am Ausgang des Limfjords. Anfangs können wir noch segeln, doch als sich eine bedrohliche Unwetterfront am Himmel zeigt, bergen wir die Segel und motoren den restlichen Weg.

14:45 Uhr – Wir machen bei starkem ablandigem Wind in Hals fest. Zum Glück sind die befreundeten Skipper bereits vor Ort, welche uns beim Anlegen tatkräftig unterstützen und unsere Leinen annehmen.

Beim anschließenden Landgang lädt uns der Skipper zu einem Eis ein. Abends gehen wir gemeinsam in ein Restaurant in der Nähe – leider ist der Service dort eher enttäuschend.

Wegen der angesagten Wetterlage planen wir, den nächsten Tag im Hafen zu verbringen.

11.08.2024 – Hafenliegetag in Hals

Nach dem gemeinsamen Frühstück unternehme ich einen ausgedehnten Spaziergang, um die Umgebung zu erkunden – und gleichzeitig dem Skipper und seiner Freundin etwas Zeit für sich zu lassen.

Am Nachmittag treffen wir uns mit den Crews der befreundeten Boote zum gemeinsamen Kaffeetrinken. Auch das Abendessen verbringen wir in geselliger Runde beim Grillen an Land.

Die beiden anderen Boote planen, am nächsten Tag nach Grenaa zu segeln – wir schließen uns spontan an.

12.08.2024 – Hals nach Grenaa

07:20 Uhr – Wir legen in Hals ab. Die erste Hälfte der Strecke können wir gut segeln, später zwingt uns abnehmender Wind dazu, unter Maschine weiterzufahren.

Die befreundeten Boote sind bereits vor uns ausgelaufen, was – wie so oft – in eine freundschaftliche Regatta mündet. Die Stimmung an Bord ist großartig, alle sind entspannt und gut gelaunt.

15:00 Uhr – Wir machen in Grenaa fest. Eine halbe Stunde später nehmen wir die Leinen der beiden befreundeten Boote an, die nun ebenfalls ankommen.

Segelboot im Hafen mit Deutschlandflagge und Wasserreflexionen.
Grenaa – Idyllischer Hafen

21:00 Uhr – Müde, aber sehr zufrieden, falle ich in meine Koje.

13.08.2024 – Grenaa nach Tunø

07:30 Uhr – Wir verlassen Grenaa bei bestem Segelwetter – deutlich besser als vorhergesagt. Daher verwerfen wir unser ursprüngliches Ziel und peilen Tunø als neue Destination an.

Doch weil die Bedingungen so hervorragend bleiben, überlegen wir unterwegs, ob wir nicht sogar Ebeltoft ansteuern sollen. Auf Höhe von Tunø schläft der Wind dann jedoch plötzlich ein, und wir entscheiden, doch wie ursprünglich geplant in den Hafen von Tunø einzulaufen.

Nach dem Anlegen leihen wir uns Fahrräder und erkunden die Insel auf einer ausgedehnten Radtour – ein gelungener Tagesabschluss.
22:00 Uhr – Ich ziehe mich in die Koje zurück.

Luftaufnahme der Insel Tuno mit grünen Flächen und Wasser vor der Küste.
Willkommen auf Tuno – beeindruckende Insel im Limfjord

14.08.2024 – Tunø nach Juelsminde

07:45 Uhr – Wir legen in Tunø ab und machen um 11:25 Uhr in Juelsminde fest. Direkt am Hafen gönne ich mir zum Mittag ein leckeres Fischfilet. Anschließend spaziere ich durch den Ort und lasse den Tag ruhig angehen.

Zum Abendessen gibt es – wieder am Hafen – ein weiteres Fischgericht. Nach einem entspannten Tag gehe ich um 22:00 Uhr zufrieden in meine Koje.

Frischer Fisch und Meeresfrüchte im Fischgeschäft, hochwertige Fischtheke.
Fischgeschäft am Hafen

15.08.2024 – Juelsminde nach Lyø

08:00 Uhr – Wir werfen die Leinen los. Es wird ein angenehmer Segeltag, größtenteils unter Amwindkurs. Besonders beeindruckend: Im Kleinen Belt bei Middelfart, in einer engen Passage, sind wir das einzige Boot, das unter Segeln aufkreuzt – alle anderen motoren.

Der Skipper kreuzt bei wenig Wind und Gegenstrom sogar unter einer Brücke hindurch – und das auf nur einem Schlag. Wir passieren den ersten Brückenpfeiler dicht an Luv, den zweiten dicht an Lee. Für mich ein beeindruckendes Beispiel großen seglerischen könnens.

18:20 Uhr – Wir machen in Lyø fest. Die Stimmung an Bord ist hervorragend – genau so macht Segeln Spaß. Um 22:00 Uhr ziehe ich mich in meine Koje zurück.

16.08.2024 – Lyø nach Svendborg

08:40 Uhr – Wir verlassen Lyø bei leichtem Regen. Zum Glück befindet sich das Loch in meiner Ölzeughose an einer Stelle, die von der Jacke überdeckt wird – andernfalls hätte ich wohl auf Panzertape zurückgreifen müssen.

11:45 Uhr – Ankunft in Svendborg. Der Rest des Tages steht zur freien Verfügung. Ich nutze die Zeit für einen ausgedehnten Landgang und besuche auf Empfehlung des Skippers zwei sehenswerte Museen:

Nach einem Rundgang durch die Stadt treffe ich pünktlich zur vereinbarten Zeit wieder am Boot ein. Zum Abendessen gehen wir wie üblich gemeinsam – diesmal wieder zum Fischessen am Hafen.
22:00 Uhr – Kojezeit.

17.08.2024 – Svendborg nach Marstal

09:30 Uhr – Leinen los in Svendborg. 11:25 Uhr – Fest in Marstal an einem schönen Liegeplatz. Ich war bereits auf meinem allerersten Törn 2011 hier – damals lagen wir mit der Samyra am Anfang des Hafens, heute liegen wir in der Sportbootmarina am hinteren Ende.

Marstal ist ein charmantes Örtchen mit malerischen Gassen und einem kleinen, sehenswerten Schifffahrtsmuseum. Den Abend verbringen wir gemütlich an Deck.

Der Törn neigt sich dem Ende zu, und ich nutze die Ruhe, um die letzten Seiten des Buchs Der Comodore, das zweite Buch von Jan de Hartog aus der Bordbibliothek zu lesen. Die Bücher sind spannend und sehr gut geschrieben – selten habe ich auf einem Törn so viel gelesen wie dieses Mal.

18.08.2024 – Marstal nach Kappeln

06:00 Uhr – Ich werde früh geweckt, da der Skipper und seine Freundin bereits an Deck sind. Auf meine Frage, was los sei, erfahre ich, dass sich die Freundin des Skippers den Magen verdorben hat und kaum schlafen konnte. Der Skipper möchte deshalb sofort auslaufen, bevor sich ihr Zustand weiter verschlechtert.

06:30 Uhr – Wir werfen die Leinen los und machen noch einen kurzen Zwischenstopp an der Tankstelle. Trotz ihrer offensichtlichen Erschöpfung hilft die Skipperin tapfer bei den Hafenmanövern. 08:30 Uhr – Frühstück für alle, die noch etwas essen können.

Wir segeln gemütlich Richtung Kappeln. Der Skipper beginnt bereits unterwegs mit dem Abschlagen von Leinen, die wir nicht mehr benötigen. Seine Freundin verbringt die meiste Zeit verständlicherweise in der Koje, steht aber zur Ankunft wieder an Deck neben ihm.

Das Anlegemanöver ist knifflig – starke seitliche Strömung – gelingt aber auf Anhieb. 11:45 Uhr – Fest in Kappeln. Das Boot wird für den Saisonabschluss ordentlich vertäut.

Der Skipper bietet mir an, mich noch am selben Tag zum Bahnhof zu bringen. Eigentlich war geplant, dass ich beim „Winterfestmachen“ helfe und erst am nächsten Tag abreise. Ich habe allerdings das Gefühl, dass er mich möglichst schnell von Bord haben möchte – wohl aus Sorge, wir könnten uns ebenfalls anstecken. Ich nehme das Angebot an.

14:25 Uhr – Ich stehe am Bahnhof in Eckernförde.
00:17 Uhr am 19.08.2024 – Mit über zwei Stunden Verspätung erreiche ich Neustadt.

Fazit

Wie immer habe ich viel gelernt, neue Erfahrungen gesammelt und einen tieferen Einblick in das sportliche Segeln auf hohem Niveau gewonnen. Nach den sehr schlechten Erfahrungen des letzten Törns und dem holprigen Beginn dieses Törns bin ich froh, dass er am Ende doch noch so schön wurde.

Segeln ist Teamarbeit. Wenn es in der Crew Konflikte gibt, betrifft das alle – denn auf so engem Raum ist ein Aus-dem-Weg-Gehen kaum möglich. Und weil jeder an Bord auf den anderen angewiesen ist, ist ein vernünftiger Umgang miteinander unerlässlich.

Ich habe einmal gelesen:

Am Ende eines Törns sind entweder alle zufrieden oder keiner.

Wenn ich die erste Etappe mit der zweiten vergleiche, stimme ich dieser Aussage voll zu.
Das regattamäßige Segeln ist offensichtlich nicht mein Ding. Ich habe nicht den Ehrgeiz, noch die letzten 0,1 Knoten aus dem Boot herauszuholen oder stündlich die Segel zu wechseln. Und dennoch war es sehr eindrucksvoll zu erleben, wie selbst kleinste Veränderungen im Trimm einen spürbaren Unterschied in der Geschwindigkeit ausmachen können.

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Lars Matti

Pfälzer (kann man ja eigentlich nur durch Geburt werden) mit Migrationshintergrund aus Anhalt der versucht Ordnung in das Chaos zu bringen.