Nachdem der #Törn3 mit der erfolgreich bestanden Sportbootführerschein-See (SBF See) Prüfung ein voller Erfolg war, habe ich direkt beim Skipperteam nach einem Ausbildungstörn für den Sportküstenschifferschein (SKS) Ausschau gehalten. Ich hatte die Wahl zwischen einer Woche auf der Ostsee oder zwei Wochen auf den Kanarischen Inseln.

Mir ging es nicht darum, möglichst schnell den Schein zu machen. Eine intensive Ausbildung und angenehme Zeit auf See war mir wichtiger.
Außerdem brauchte ich noch die 300 Seemeilen für die Prüfung. Also buchte ich die zwei Wochen auf den Kanaren vom 20.11. bis 03.12.2016. Gerade zu dieser Jahreszeit hatte ich sehr gute Erinnerungen an den #Törn2.

Inhaltsverzeichnis

20.11.2016 – Willkommen an Bord

Die Anreise erfolgte von Frankfurt aus nach Teneriffa und diesmal entschied ich mich für den Direktflug. Als alle an Bord waren, wurde der Einkauf besprochen. Unser Skipper auf diesem Törn war sehr gut vorbereitet. Es gab eine vorgefertigte Einkaufsliste, welche durchgesprochen und nur noch um die Mengen ergänzt werden musste. Auch begannen wir schon mit der Sicherheitseinweisung. Der Skipper schien etwas schwierig zu sein.

Beispiel: Ich stellte meiner Wasserflasche in der Pantry ab, um etwas an Deck zu erledigen. Als ich nach einer Minute zurückkam, um die Flasche zu holen, war diese verschwunden. Auf die Frage wo denn meine Flasche sei, wurde mir von meinem Kojen Nachbarn mitgeteilt, dass diese vom Skipper in meine Koje geworfen wurde. Irritiert nahm ich dies zur Kenntnis. Besonders verwunderlich fand ich, dass die ganze Zeit der Skipper anwesend war. Er hätte doch einfach etwas sagen können.

Zusammenfassend muss ich feststellen, dass ich mich bisher noch nie auf einem Boot so wenig willkommen gefühlt habe wie hier. Vielleicht gehörte dies ja zur Ausbildung?

Beim gemeinsamen Abendessen wurde die Bordkasse eingerichtet und von den einzelnen Crewmitgliedern die Erfahrungen (Scheine und Seemeilen abgefragt). Auch wollte der Skipper, gerne unter vier Augen darüber unterrichtet werden, wenn jemand gesundheitliche Probleme hatte und über Notfallmedikamente verfügte (Notfall-Pen, Epilepsie, Herzprobleme usw.). Eine gute, sinnvolle und wichtige Maßnahme. Schließlich sollte immer jemand wissen, was in so einer Krise zu tun ist, falls man selber nicht mehr dazu in der Lage ist und andererseits sind dies sehr persönliche / intime Informationen, die nun wirklich nicht jeden etwas angehen.

21.11.2016 – Klar Schiff und Leinen los

Am nächsten Morgen wurde die Sicherheitseinweisung fortgesetzt. Ich muss sagen: Diese war wirklich sehr umfangreich und am Ende war so ziemlich alles besprochen, inklusive der Information, dass der Salon unser gemeinsames Wohnzimmer ist und deshalb dort keine privaten Dinge abgestellt werden sollen. Zumindest verstand ich nun seine Aktion vom Vortag. Ordnung hatte hier einen sehr hohen Stellenwert. Jedes Teil hatte seinen Platz und war nach Gebrauch sofort wieder dorthin zurück zu räumen. Eine sehr sinnvolle Maßnahme wie ich auf diesem Törn lernen würde.

Dann wurde eine Einkaufs Crew gebildet, welche sich sogleich mit der vorbereiteten Einkaufsliste auf den Weg machte. Der nächste Supermarkt, wo sich eine Crew für 14 Tage mit Lebensmitteln eindecken kann, ist von der Marina San Miguel auf Teneriffa ca. 10 Minuten mit dem Taxi entfernt.
Nachdem die Einkaufs Crew mit einem Taxi voller Lebensmittel und vor allem Mineralwasser zurück am Boot war und alle Einkäufe sicher verstaut waren, hieß es klarmachen zum Auslaufen und Leinen los.

Als Erstes ging es rüber nach San Sebastian auf Gomera. In der Düse zwischen den Inseln hatten wir ordentlich Seegang und einige brachten Rasmus ihr Frühstück als Opfer dar. Ich war dieser Idee grundsätzlich nicht abgeneigt, am Ende aber doch zu geizig, um mich von meinem Frühstück zu trennen. Nachdem ich einen Zwieback geknabbert hatte und etwas stilles Wasser getrunken hatte, beruhigte sich mein Magen und mein Körper akzeptierte die Schaukelei als etwas Normales.

22.11.2016 – Auf nach El Hirro

Von San Sebastian brachen wir am darauffolgenden Tag nach Puerto de la Estaca auf El Hirro auf. Die See hatte sich etwas beruhigt und wir lernten mit Beiliegen das erste Manöver für die Prüfung kennen.

Nach den ersten beiden Tagen auf See, waren uns allen Seebeine gewachsen und die Schläge (Etappen) wurden länger. Um die in dem Angebot aufgeführten Stationen alle anlaufen zu können, wurde teilweise Tag und Nacht gesegelt. Ein Wachplan wurde aufgestellt und nur von den kurzen Stopps in den Marinas unterbrochen. Während diesem Strecken fahren unter dem herrlichen Sternenhimmel, haben wir viele schöne Beobachtungen gemacht und auch einiges über Langstreckensegeln gelernt, nur leider so gut wie nicht geübt. In den Marinas gab es Lerneinheiten zu den Themen wie Gasanlage, Notrollen, Leinenarbeit, Knoten, Maschine, Elektrik usw.
Gegen Ende der ersten Woche wurden wir alle etwas unruhig, weil wir noch keins der Manöver für die Prüfung trainiert hatten.

Puerto de la Estaca El Hierro Gebäude mit den Sanitäranlagen

28.11.2016 – Die intensive Ausbildung beginnt

Zu Beginn der zweiten Woche war es endlich so weit: Wir hatten alle Stationen auf der Liste abgehakt. Auch, wenn wir kaum mehr als den Anleger und die sanitären Anlagen in den Marinas gesehen hatten, so war der Plan dennoch erfüllt. Wir liefen erneut San Sebastian auf La Gomera an, wo wir uns von nun an ausschließlich der Ausbildung widmen wollten, mit dem Ziel am Prüfungstag alle geforderten Manöver (Kunststücke) sicher vorführen zu können.

Nach dem Frühstück ging es jeweils raus zum Üben und am späten Nachmittag kehrten wir wieder zurück in die Marina. Das An- und Ablegemanöver wurde dabei jeweils von einem anderen Crewmitglied unter Anleitung des Skippers gefahren. Leider war es nicht gestattet in der Marina An- und Ablegen zu üben, sodass wir auf diese Weise jeder zumindest einmal an- und ablegen könnten.

Blick auf Teneriffa mit dem Teide über den Wolken

Diese Manöver waren zum Glück nicht Bestandteil der Prüfung. Wir waren einer der letzten Törns, welche noch nach der alten Prüfungsordnung geprüft worden. Seit 01. Januar 2017 gilt eine neue Prüfungsordnung, welche deutlich praxisnäher ist und in der unter anderem das An- und Ablegemanöver als Pflichtmanöver enthalten ist.

Die recht Strenge und Unnachgiebige Crew-Führung des Skippers und sein permanentes Bedürfnis, allen jederzeit klar zu machen, dass er derjenige sei, welcher an Bord das Sagen hat, führte leider zu einer zunehmenden Spaltung zwischen Crew und Skipper.
Warum viele Männchen der Gattung Homo sapiens sapiens das permanente Bedürfnis haben, aller Welt zeigen zu müssen, dass sie die Größten sind (den Größten haben), werde ich hoffentlich nie verstehen. Jedenfalls schien sich unser Skipper von der Anwesenheit eines bestimmten Crewmitgliedes in seiner Position bedroht zu fühlen. Und verhielt sich entsprechend.

Memo: Die psychologische Komponente bei der Crewführung ist mindestens so wichtig wie die fachliche Kompetenz. Ohne die Mitarbeit der Crew lässt sich eine Yacht nur schwer segeln.

01.12.2016 – Prüfung

Am 01.12. war dann der große Tag. Die Prüfer kamen an Bord, um sich von uns das erlernte vorführen zu lassen und zu entscheiden, ob wir genug wissen, um “die Lizenz zum selbständigen Weiterüben” zu erhalten. In einem Moment mit relativ wenig Wind, verlor leider ein Prüfling den Überblick und fuhr eine Patenthalse. Alle anderen haben die Prüfung bestanden.
Nachdem alle Formalitäten erledigt und die Prüfungskommission wieder in der Marina abgesetzt
war, brachen wir zur Marina San Miguel auf Teneriffa auf, wo wir Abends die bestandenen Prüfungen feiern wollten.

01.12.2016 – Angeln auf der Rückfahrt

In Santa Cruz de La Palma hatte der Skipper aus der Bordkasse einen Haken und Köder zum Angeln erworben, welche bisher noch nicht zum Einsatz gekommen waren. Nun auf dem letzten Schlag, regte er an, die Angel auszuwerfen. Ich fragte mich zwar, was wir mit einem eventuellen Fang machen sollten, schließlich wollten wir essen gehen und nicht an Bord kochen, behielt diesen Gedanken aber leider für mich.

Und so lernte ich auch noch, wie man eine Schleppleine zum Fischen ausbringt. Bis auf Höhe von Las Galletas ging alles gut. Hier waren einige Fischer und auch Hochseeangler unterwegs, was uns nicht weiter störte. Wir fuhren einfach zwischen ihnen durch, doch dann geschah es: Die Angelschnur zeigte deutlich einen Biss an. Wir verringerten unsere Geschwindigkeit von 6 auf 2 Knoten, um den Fisch an Bord ziehen zu können. Die gesamte Besatzung (außer mir am Steuer) war in heller Aufregung und freute sich über das Anglerglück.

Sehr schnell wurde dem Skipper klar, dass da etwas Großes angebissen hatte. Der Fisch kämpfte hart um seine Freiheit und mehr als einmal sah es so aus, als hätte er den Kampf gewonnen. Spätestens als sich die Angelschnur um eine alte Fischerboje verfangen hatte und diese samt dranhängendem Fanggerät zum Vorschein kam, schien der Kampf zu Ende zu sein. Als letzten Versuch wurde die gesamte bereits eingeholte Schnur wieder freigegeben und 10 Minuten später, in der Hoffnung der Fisch habe sich freigeschwommen, wieder eingeholt. Und so war es auch. Nach ca. 2-Stündigem Kampf, war der Fisch so erschöpft, dass er an Bord geholt werden konnte.

Nun lag er da im Cockpit. Ein 1,48 m großer Gelbflossen Thunfisch. Offensichtlich etwas zu groß, um ihn in die Pfanne zu werfen. Zwischenzeitlich waren wir auch vor der Marina angekommen und machten im Päckchen vor der Tankstelle fest. Um Essen zu gehen, war es zwischenzeitlich leider zu spät.

Geldflossen Thunfisch an Deck der Yacht

Ergebnis: Die geplante Feier der bestandenen Prüfung fiel aus und an Deck lag der Tunfisch, den wir alleine schon wegen seiner Größe nicht verwerten konnten.

Memo: Wirf die Angel nur aus, wenn Du den Fisch auch essen willst.

02.12.2016 – Klar Schiff

Am nächsten Morgen versuchten wir den Fisch zu verkaufen. Von den Fischern in der Marina wurde uns 1 Euro pro Kilo geboten, was uns deutlich zu wenig war und so wurde der Fisch zerlegt und an Stegnachbarn und Passanten verschenkt, sowie die restlichen Filetstücke für kleines Geld verkauft.
Nachdem der Fisch endlich von Bord war, wurde klar Schiff gemacht und jeder ging seiner Wege, um sich etwas von dem Törn zu erholen.

03.12.2016 – Abreise

Am Samstag, dem 03. Dezember 2016, hieß es nach einem frühen und schnellen Frühstück gegen 0900 von Bord zu gehen und die Heimreise anzutreten. Allgemein war die Stimmung schlecht und alle waren froh, abreisen zu können.

Fazit

Ein Ausbildungstörn ist kein Urlaubstörn. Hier steht klar die Ausbildung im Vordergrund und wenn man Glück hat, ist auch etwas Zeit für Erholung.
Ich habe auf diesem Törn viel gelernt. Nicht nur Segeln und Manöver fahren, sondern auch sehr viel über Seemannschaft und wie wichtig die Crewführung ist.

Ein Skipper ist nichts ohne seine Crew und auch, wenn er das Sagen hat: Den notwendigen Respekt muss er sich erarbeiten bzw. verdienen.
Skipper ist kein einfacher Beruf. Für relativ wenig Geld übernimmt er die Verantwortung für die Yacht und die Besatzung. Hält er sich jedoch für den größten und greift deshalb nicht auf die vorhandenen Kompetenzen der einzelnen Crewmitglieder zurück, macht er sich das Leben nur unnötig schwer.

Am Ende habe ich dank der Ausbildung die Prüfung bestanden und bin um die Erfahrung reicher, dass nicht jeder Törn ein wunderschönes Erlebnis ist.

Bilder

Puerto de la Estaca El Hierro
Puerto de la Estaca El Hierro
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Lars Matti

Pfälzer (kann man ja eigentlich nur durch Geburt werden) mit Migrationshintergrund aus Anhalt der versucht Ordnung in das Chaos zu bringen.

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