• Beitrag veröffentlicht:17. April 2021
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Sportseeschifferschein (SSS) Flensburg #Törn7
Sportseeschifferschein (SSS)

Bericht über einen einwöchigen Ausbildungstörn mit anschließender Prüfung zum Sportseeschifferschein (SSS) auf der westlichen Ostsee.


Durch den überraschenden Törn von Sizilien nach Griechenland hatte ich genügend Seemeilen zusammen, um die Ausbildung zum SSS angehen zu können. Nach einigem Überlegen kam ich zu dem Entschluss dies zu tun. Mein theoretisches Wissen aus der Ausbildung zum SKS aus dem Jahre 2016 war noch recht frisch und genügend Freizeit hatte ich auch.

Der Plan

Den Winter und das Frühjahr wollte ich nutzen, um die Theorie zu lernen und die theoretischen Prüfungen zum SSS abzulegen. Im Sommer wollte ich dann einen Ausbildungstörn buchen und im Anschluss an diesen Törn die praktische Prüfung ablegen, soweit der Plan.

Beim Skipperteam Schönicke fand ich das günstigste Angebot für einen einwöchigen Ausbildungstörn mit anschließender Prüfung. In der Beschreibung zum Törn hieß es:

Training wie beim SKS + Radar! Aber bei der Prüfung „liegt die Latte deutlich höher“

Also buchte ich den Törn für Sommer 2018.

Die Umsetzung

Nach intensivem Lernen hatte ich im dritten Anlauf die theoretischen Teilprüfungen alle bestanden.

Zur SSS Theorie gibt es einen gesonderten Blogbeitrag.

So machte ich mich am 21.07.2018 auf nach Flensburg.
Die theoretischen Prüfungen hatten gezeigt, dass das geforderte Wissensniveau doch weit über dem des SKS lag. Inzwischen hatte ich leichte Zweifel, ob eine einwöchige Ausbildung ausreichen würde, um die Prüfung zu bestehen. Andererseits war ich mir sicher, dass das Schönicke Skipperteam einen solchen Törn nicht anbieten würde, wenn dies nicht der Fall wäre.

So starteten wir den Törn. Der Wissensstand der Trainees war breit gefächert, angefangen bei einem Skipper von Schönicke Skipperteam bis hin zu einem Teilnehmer, der nur den Sportbootführerschein See besaß und die Theorie im Anschluss machen wollte.

22.07.2018 – Tag 1

Jeden Morgen wurde der Wetterbericht von DP07 abgehört und von einem Crewmitglied die Wetterkarte gezeichnet. Anschließend wurde diese mit der Wetterkarte vom DWD verglichen.

Wir fuhren am ersten Tag nach Söby auf Ärö. Unterwegs trainierten wir Segelmanöver und die Q-Wende als MOB Manöver. Dabei kam es zu folgender unschöner Begebenheit: Ein Teilnehmer sollte den Manöverkreis fahren, war jedoch total verunsichert und mit der Situation sichtlich überfordert. Als Teile der Crew helfend eingreifen wollten, wurde ihnen dies vom Skipper untersagt. So kam es, dass besagter Teilnehmer immer unsicherer wurde und nicht mehr ein noch aus wusste. Währenddessen stand der Skipper schweigend am anderen Steuerrad, den Blick stur nach vorne gerichtet und zeigte auf die Hilfe suchenden Fragen des Teilnehmers keinerlei Reaktion, während er den andern Trainees untersagte Hilfestellungen zu geben. Dies dauerte ca. 5 Minuten. Danach erklärte er dem Teilnehmer, dass es keinen Sinn habe mit ihm für den SSS zu üben und er nur Trainingszeit der anderen Teilnehmer verschwenden würde.

Ab dem Moment war die Stimmung an Bord vergiftet.

23.07.2018 – Tag 2

Am zweiten Tag fuhren wir nach Augustenborg auf Als. Unterwegs wurde das Radar angeworfen, welches leider nach wenigen Minuten seinen Dienst einstellte. In Augustenborg angekommen, wurde versucht den Fehler zu finden und nach einigen Telefonaten beschlossen, dass es sich um ein thermisches Problem handelt. Im Radardome war die Temperatur wohl so hoch, dass sich die Antenne nach wenigen Minuten nicht mehr drehte. Merkwürdig nur, dass es keinen Unterschied machte, ob wir es am frühen Morgen oder in der größten Mittagshitze versuchten.

Als Konsequenz verfügte der Skipper, dass die Radaranlage nicht mehr eingeschaltet werden sollte. Zwei Teilnehmer widersetzten sich in den folgenden Tagen bei jeder sich bietenden Gelegenheit dieser Anweisung und übten jeweils, bis der Skipper es mitbekam und sie anwies das Radar gefälligst auszulassen.

24.07.2018 – Tag 3

Am dritten Tag fuhren wir durch den Als Sund zurück nach Flensburg.
Unterwegs wurde, wenn genug Wind vorhanden war, weiter das MOB Manöver geübt. Ansonsten wurden die Notenrollen durchgesprochen.

25. – 26.07.2018 – Tag 4 und 5

Am vierten und fünften Tag wurde das Üben des MOB Manövers intensiviert und auch das An- und Ablegen am Prüfungsanleger geübt.
Dabei war auffällig, dass beim Anlegen jederzeit unterstützende Hinweise vom Skipper kamen, bei den Segelmanövern jedoch nie. Hier gab es hinterher Feedback oder einen Anschiss.

Zum Beispiel riss er mir, mit dem zweiten Steuer, plötzlich meines aus der Hand, als ich bei Flaute den Überblick verlor und die Yacht langsam in die Patenthalse steuerte. Er, der Skipper, würde es nicht zulassen, dass man das Leben von Mitseglern gefährdet.
Dass sich das Verletzungsrisiko bei 0 bis 5 kn Wind in Grenzen hält, spielte dabei keine Rolle.

Ich war einer der drei Teilnehmer, welche sich an das Verbot die Radaranlage zu benutzen gehalten hatten. Einen Tag vor der Prüfung fragte ich den Skipper, wann er uns diese erklären wolle. Offensichtlich hatte der Skipper an diesen Teil der Ausbildung nicht mehr gedacht. Die Beiden, welche in den letzten Tagen immer wieder mit Radaranlage geübt hatten, bekamen daraufhin den Auftrag es den anderen zu erklären.
Nachdem jeder von uns eine Position mit Radar bestimmt hatte, war auch dies erledigt.

Nach diesen 5 Tagen reifte in mir die Erkenntnis, dass ich noch keine Prüfungsreife erlangt hatte. Grund war, dass ich mit zu wenig Vorkenntnissen an Bord gegangen bin und während der Woche kaum Ausbildung stattfand.

27.07.2018 – Tag 6 – Prüfung

Am Tag der Prüfung kamen die beiden Prüfer um 10 Uhr an Bord und begrüßten uns mit den Worten, dass dies die letzte praktische Prüfung sei und des halb streng geprüft werde. Schließlich könnten wir mit diesem Schein die FRIDJOF NANSEN, welche am Morgen in Flensburg eingelaufen war, als Schiffsführer übernehmen. Was für ein Blödsinn!
Dann noch eine Anekdote, dass ihre kürzeste Prüfung 5 Minuten gedauert hatte und natürlich der Hinweis, dass man keinen unnötigen Druck aufbauen wolle.

Nachdem alle Formalitäten erledigt waren, fuhren wir hinaus auf die Flensburger Förde. Aufgrund der Probleme mit unserer Radaranlage wurde dieser Teil als Erstes geprüft.

Hier fielen dann direkt 3 Teilnehmer durch. Ich war einer von ihnen. Am Ende haben nur die beiden erfahrensten Teilnehmer verdient die Prüfung bestanden. Es waren auch die Beiden, welche sich intensiv mit der Radaranlage beschäftigt hatten.

Fazit

Meine Erwartungen an den Ausbildungstörn waren offensichtlich zu hoch.
Am Abend kam es dann zu einer Aussprache zwischen dem Skipper und uns Dreien, die wir nicht bestanden hatten. Dabei eröffnete uns der Skipper, welche Erwartungen er an Teilnehmer eines SSS Ausbildungstörn hat. Er erwartet:


Dass die Teilnehmer bereits über alle Fähigkeiten und Fertigkeiten verfügen und es lediglich darum geht, sie auf die Prüfung vorzubereiten.

Übereinstimmend brachten wir unsere Enttäuschung darüber zum Ausdruck, dass dies nicht klar in der Törnbeschreibung formuliert war. Stattdessen wurde der Anschein einer vollwertigen Ausbildung suggeriert.

Auf dem SKS Törn vom Skipperteam fand wesentlich mehr Ausbildung statt, als auf diesen SSS Törn. Ob dies nun generell so gehandhabt wird oder auf das schlechte Wetter zurückzuführen ist, vermag ich nicht zu beurteilen. Es war die ganze Woche sehr heiß und kaum ausreichend Wind zum Segeln.

Abschließend bleibt festzustellen, dass dies kein Ausbildungstörn war, sondern ein Törn zur Prüfungsvorbereitung. Der Törn hatte mir gezeigt, dass ich noch nicht über die notwendige Routine verfügte, um die praktische Prüfung zum SSS abzulegen.

Durch diesen frustrierenden Törn hatte ich sogar die Lust am Segeln verloren. Zum Glück war der nächste Törn bereits fest geplant. Diesen wollte ich absolvieren und mir dann darüber klar werden, wie es weitergeht.

Rückblickend habe ich den Verdacht, dass es bei diesem Törn primär darum ging, dem Skipper vom Schönicke Skipperteam das Ablegen der SSS Prüfung zu ermöglichen und die anderen Teilnehmer lediglich zu brauchbaren Deckshänden ausgebildet wurden, um dieses Ziel zu erreichen.

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Lars Matti

Pfälzer (kann man ja eigentlich nur durch Geburt werden) mit Migrationshintergrund aus Anhalt der versucht Ordnung in das Chaos zu bringen.