• Beitrag veröffentlicht:9. Oktober 2021
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Sportseeschifferschein (SSS) vor Heiligenhafen #Törn10

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Sonnenuntergang Marina Heiligenhafen

Bericht über einen einwöchigen Ausbildungstörn zum Sportseeschifferschein (SSS) vor Heiligenhafen mit anschließender Prüfung. Die praktische Prüfung zum SSS ist die höchste praktische Sportbootprüfung in Deutschland.


Dieser Törn folgte unmittelbar im Anschluss an #Törn9 und wurde auch von dem Segel-Center Frankfurt durchgeführt. In der Vorwoche hatte ich zur Vorbereitung an einem SKS Ausbildungstörn teilgenommen und obwohl ich den SKS bereits bestanden hatte, habe ich viel dazugelernt. Ich blieb also an Bord und wartete auf den neuen Skipper und die neue Crew.

15.06.2019 Samstag – Neue Crew

Der Tag begann mit Gewitter und nachdem sich das Wetter etwas gebessert hatte, trudelte der neue Skipper und die neue Crew ein. Wir waren 5 Trainees.

Wie immer zu Beginn eines Törns wurde mit dem organisatorischen Dingen begonnen. Die Kojen wurden zugeteilt, eine Bordkasse angelegt und anschließend Proviant für die Woche gebunkert.

Nach der Sicherheitseinweisung ging es wider in den Seestern zum gemeinsamen Abendessen.

16.06.2019 Sonntag – Beginn der Ausbildung

Den ersten Tag verbrachten wir damit ausgiebig die Manövriereigenschaften der LALUMA zu erfahren, An- und Ableger zu üben sowie Segelmanöver zu trainieren. Gegen Ende des Tages waren wir eine gut eingespielte Crew. Die für die Prüfung erforderlichen theoretischen Aufgaben wurden unter uns verteilt. Jeder Trainee bekam zwei Themen zugeteilt, auf die er sich vorbereiten sollte, um sie den anderen zu vermitteln.

17.06.2019 Montag

Der Tag begann mit einer großen Portion Theorie, gefolgt von intensivem Segeltraining. Beim SSS wird nur das MOB Manöver unter Segeln und mit Unterstützung der Maschine geprüft. Man hat nur einen Versuch und die Yacht muss neben der Boje stehen. Nachdem wir wider einige verschiedene MOB-Manöver gefahren sind, zeigte uns der Skipper sein Lieblingsmanöver. Ein modifizierter Quickstop mit Halse.

Modifizierter Quick-Stopp als Mann über Bord Manöver
Modifizierter Quick-Stopp als Mann über Bord Manöver

Nachdem wir alle einmal diese Manöver gefahren sind, einigten wir uns darauf, dass alle dieses Manöver für die Prüfung trainieren. Grundsätzlich war es jedem freigestellt sein eigenes Manöver zu fahren. Wenn jeder von uns ein anderes Manöver bevorzugt hätte, hätten wir diese auch jeweils trainiert.

18.06.2019 Dienstag

Wie schon in der Vorwoche begann jeder Tag mit dem Abhören des Wetterberichtes von DP07 und dem gemeinsamen Zeichnen der Wetterkarten, gefolgt von der Besprechung der verschiedenen Ergebnisse. Dann folgte in der Regel ein ausführlicher Theorieblock, in dem die vorbereiteten Themen von uns Trainees vorgetragen und vom Skipper bei Bedarf ergänzt wurden. An diesem Tag wurde das Segeltraining um Positionsbestimmung mit GPS, Peilkompass und Radar angereichert. Gegen 23 Uhr fielen wir alle erschöpft in unsere Kojen.

19.06.2019 Mittwoch

Das Programm war wie am Vortag. Inzwischen haben wir alle theoretischen Themen abgearbeitet und die Manöver klappen auch sehr gut.

20.06.2019 Donnerstag der Tag vor der Prüfung

Heute ließ es der Skipper etwas ruhiger angehen. Die theoretischen Themen wurden unterwegs noch etwas wiederholt und die Prüfungsaufgaben alle einmal geübt. Bereits um 1500 machten wir wieder in der Marina fest, um uns etwas für die Prüfung zu entspannen. Haha.
Auch, wenn die Anspannung sehr groß war und jeder von uns anders damit umging, verordnete der Skipper uns ein gemeinsames Abschiedsessen. Morgen würde die Prüfung stattfinden und im Anschluss daran würden wir alle abreisen.

21.06.2019 Freitag – Die Prüfung

Wie schon in der Vorwoche waren wieder einige Prüfungsyachten in der Marina. Um 1000 kamen die beiden Prüfer an Bord. Sie waren sehr freundlich und sichtlich bemüht, keinen zusätzlichen Druck aufzubauen. Wir fuhren hinaus vor die Marina in das Prüfungsgebiet, wo jeder von uns intensiv geprüft wurde. Die Prüfer wollten bei den Notrollen nicht hören was zu tun ist, sondern sie wollten es sehen. Das heißt, es wurde von den Prüfern ein Notfall angesagt und der Prüfling musste diesen abarbeiten.

Beispiel für einen Notfall

Nachdem ich meine Segelmanöver und das MOB Manöver erfolgreich gefahren bin, sagte einer der Prüfer:

Ein Crewmitglied meldet Ihnen, dass Wasser in der Yacht steht.

  • Also Hand-1 angewiesen: unter Deck zu gehen und Geschmacksprobe durchführen.
  • Hand-2 angewiesen: mit unter Deck zu gehen und die Lenzpumpe einzuschalten.
  • Hand-3 angewiesen: die Handlenzpumpe zu besetzen.
  • Hand-4 angewiesen: die Pütz aus der Backskiste zu holen.
  • Dann kam von unten die Meldung:

„Es ist Süßwasser.“

  • Jackpot! Herzlichen Dank an Hand-1
  • Erklärung meinerseits: Alles ist gut, der Süßwassertank hat ein Leck. Vermutlich hat sich der Schlauch vom Tank gelöst. Wir brauchen nicht nach Lecks zu suchen. Wir schaffen das Wasser raus und fahren weiter.

Die Prüfer waren mit diesem Verlauf nicht so ganz glücklich. Also fragten sie:

Hier vor der Marina ist das kein Problem, weil man neues Süßwasser bunkern kann. Aber was machen Sie auf See, um möglichst wenig Süßwasser zu verlieren?

Antwort: Den Tank abdichten, um das Wasser im Tank zu halten.

Frage:

Wie dichten Sie den Tank ab?

Antwort: Mit einem Leckstopfen.

Prüfer: Den würden wir gerne sehen.

Anweisung an Hand-1: Unten im Schubfach unter dem Kartentisch ist ein Beutel mit Leckstopfen, bring den bitte mal hoch. In der Zwischenzeit erklärte ich, dass auf der LALUMA an jedem Borddurchbruch der passende Leckstopfen mit Tape befestigt ist.

Hand-1 bringt den Beutel mit den Leckstopfen ins Cockpit und die Prüfer waren zufrieden.

Bei einem anderen Prüfling ist das Vorstag gebrochen und er musste es durch ein Segelmanöver entlasten und mit dem Spifall sichern lassen. So bekam jeder von uns seinen persönlichen Notfall zugewiesen.

Von uns 5 Teilnehmern haben 3 bestanden, einer ist nicht zur Prüfung angetreten und einen hat es bei den Notrollen leider erwischt, weil er einen Blackout hatte.

Fazit

Mit der bestanden SSS Prüfung gingen zwei Ausbildungswochen zu Ende, an die ich gerne zurückdenke. Mit dem Stand meiner Fähigkeiten von vor dem #Törn7 hätte ich vielleicht auch nicht bestanden, aber ich hätte wesentlich mehr gelernt. Dies war ein Ausbildungstörn der diesen Namen auch zu Recht tragen darf. Und mir ist nun endgültig klar das #Törn7 bestenfalls ein Törn zur Prüfungsvorbereitung war. Daher auch hier meine Empfehlung, wer Ausbildung sucht, sollte dies bei einem auf Ausbildung spezialisierten Anbieter buchen und darauf achten, dass die ausbildenden Skipper auch über die Ausbilderlizenz vom DSV und/oder DMYV verfügen.

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Lars Matti

Pfälzer (kann man ja eigentlich nur durch Geburt werden) mit Migrationshintergrund aus Anhalt der versucht Ordnung in das Chaos zu bringen.